Laudatio

Piotr Olszówka


12 monkeys

Unfreiwillige Komik ist wie ein beabsichtigtes Missverständnis, wir geben uns der Lächerlichkeit preis, ohne dafür etwas anderes zu ernten, als Spott. Künstler senden Kommunikate, die entweder gar nicht ankommen oder missverstanden werden, ein Missverständnis ist demnach als Erfolg zu würdigen.

Affen, genauer genommen Schimpansen, sind zu altruistischen Handlungen fähig, helfen ihren Artgenossen, ohne Aussicht auf Belohnung. So die neueste Forschung, möglicherweise auch nur eine Interpretationsverschiebung, vielleicht begreifen Affen eine Belohnung anders als wir.

12 Monkeys – ein Affentheater, altruistisch genug, um nichts dafür zu erwarten, dass man mit anderen zusammen eine Ausstellung präsentiert, mit den unüblichen Verdächtigen: kolumbianische Guerilleros, Rudolf Virchow, der Kampfkarnickel, Alpha und Omega, 187+1  Buddhas, eine Spannerkanone, eine Puppe voll Kunst, die wie Müll aussieht (oder ist das  Müll, der wie Kunst aussieht?) Schöne Gesichter auf den Fotoportraits, Umrisse der Mäntel, die im Gefängnistheater nicht nur Kostüme, sondern Charaktere spielen. Dies alles und auch die Armbrust oder die arme Brust, der Wald, der keiner ist und der affengeile Hamlet, der französisch kann, versammelt an einem Ort, in der Galerie „Der Ort“, nicht wirklich traurig, autoironisch und rauschend in hohen Kommunikationsraten, hörbar nur für Kommunikationskanalratten. 

Eine einfache Mitteilung zu verstehen ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit, auf diese angemessen zu reagieren. Eine künstlerische Mitteilung ermöglicht jedoch eine Fülle unterschiedlicher Reaktionen: welche davon angemessen sind, wird immer wieder aufs Neue ausprobiert. Eines ist bestimmt unerwünscht und von jedem Künstler abzulehnen: das nicht wahrnehmen, ignorieren, außer Acht lassen. Um ein Publikum zu erreichen, ist auch ein Missverständnis unendlich besser als eine Nichtwahrnehmung. Eine unvollkommene Existenz ist nämlich ungleich besser als der Tod.

Die deutsche Geisel trinkt so viel teures kolumbianisches Bier, dass Guerilleros keine andere Wahl haben, als die Geisel frei zu lassen. Die Geschichte vom Unterarmknochen und Rudolf Virchow ist so gut, dass es irrelevant ist, ob sie so statt gefunden hat, sie ist sogar realer als die echte Lebensgeschichte von Virchow, weil sich für die letzte kein Schwein interessiert. Die mit viel Aufwand und Hingabe angefertigte Zeichnungen in den Bauch einer Drahtfigur zu stopfen, obgleich sie eines Rahmens würdig sind, ist reine Verschwendung, wie unser aller Leben es ist. Missverständnisse.

Wir erfinden uns jeden Tag aufs neue, darin sind wir alle Künstler, eigene PR-Agenten und Laudatoren, wir legen falsche Fährten und legen Köder aus, nur um gehört, gesehen, wahrgenommen zu werden. Der Buddha mit seiner Strategie, sich zurückzuziehen und darum zu kämpfen, nicht zu existieren, ist für uns eine perfekte Mediengestalt, weil ihm infolge dieser Strategie der bestmögliche Popularitätserfolg gelingt. Anders als noch bei der Khmerzivilisation von Angkor, wo Buddhafiguren geköpft wurden, wenn die Hinduisten Oberhand gewannen und die hinduistischen Gottheiten verschont blieben, wenn Buddhisten regierten. Köpfen reicht heute nicht mehr aus und ist zugleich nicht nötig, die schlimmste Strafe ist das Vergessen, wir wollen missverstanden werden, dies ist die letzte Hoffnung.